Leadership in turbulent times – Konferenz der Internationalen Leadership Association in Brüssel

Von: johannes, Tags: Führung Führungsentwicklung HR Organisationsentwicklung

Bild: Dimitri Stzamouranis: 36grad45'N-021grad'E. Öl auf Leinwand. documenta14. Fridericianum in Kassel.

"Don`t do the messy stuff" wurde Stella Nkomo geraten. „Wenn Du Karriere machen willst, solltest Du Dich nicht um Themen wie Rasse oder Gender kümmern.“ Heute sagt die Präsidentin der Afrikanischen Management Akademie (AFAM) und Professorin der Universität in Pretoria selber "Wenn Du etwas Aussergewöhnliches erreichen willst, dann musst Du tun was wirklich wichtig ist". Weil sie das tat und andere Ratschläge in den Wind schlug, verlieh ihr die International Leadership Association den Lifetime Achievement Award. Stella Nkomo setzte Afrikanische Führung und Führungspraktiken auf die Agenda, lange bevor das Interesse an Afrika als neuen Markt entstanden war.

Diesen Spirit, den Stella Nkomo verkörpert, kann man in Brüssel, bei der Konferenz der Internationalen Leadership Association in vielen Vorträgen und Workshops spüren. Knapp 1000 Forscher und Praktiker aus über 50 Ländern tauschen sich vier Tage lang zu allen Themen der Führung aus.

Das Motto der Konferenz, „Führung in turbulenten Zeiten“ ist in vielen Foren und Diskussionen zu merken. Vielen Akteuren ist bewusst, dass die Weltgemeinschaft in einer schwierigen Lage ist. Doch wie kann man führen in turbulenten Zeiten? Unter sich rasant verändernden Bedingungen? In volatilen Märkten? Unter dem Druck von neuen Geschäftsmodellen? Bei zunehmender Ungleichheit? Ist autoritäre Führung ein neuer Trend und wie können wir diesem begegnen? Auf der Konferenz werden Führungsthemen in verschiedenen Kontexten und aus zahlreichen nationalen Perspektiven beleuchtet. Es geht um die Entwicklung von Führungskräften für die Geschäftswelt und um politische Führung. Wir können etwas über Führung lernen am Beispiel einer diplomatischen Mission der EU im Kongo, erfahren Neues zur Innensicht der Finanzkrise und verstehen etwas mehr, welchen Dynamiken Gipfeltreffen von Staatenlenkern ausgesetzt sind und wie man diese vorbereitet. Das Ganze verbunden mit Konzepten und Forschungsergebnissen und neuen Kontakten.

Schon bei den Pre-Workshops fängt die Konferenz an, ein inspirierendes Erlebnis zu sein. Wir haben die Gelegenheit, von Barry Johnson die Arbeit mit der Polarity Map zu lernen. Ein exzellentes Instrument, um Widersprüche erfolgreich zu managen und nicht in entweder-oder Denken zu verfallen.

Ein gutes Beispiel für das Management von Widersprüchen liefert Herman von Rompuy, der ehemalige Vorsitzende des Europäischen Rates. In seiner Keynoterede über die Chancen Europas wird deutlich, dass Frankreich und Deutschland nicht nur durch die wirtschaftliche Größe eine wichtige Rolle für die Europäische Union spielen. Die Zusammenarbeit der beiden Mächte steht auch für die unterschiedlichen Prinzipien Solidarität und Eigenverantwortung in der Union. Bei einer Einigung der beiden Partner wird ein Weg geebnet, dem zu folgen für andere Länder leicht ist.

In unseren eigenen Konferenzbeiträgen zeigen wir die Rolle vertikaler Entwicklung für die Entwicklung von Führung auf. Während Führungstrainings meist kompetenzbasiert sind und einzelne Aspekte oder Techniken in den Vordergrund stellen kann Führungsentwicklung in Verbindung mit expliziter Entwicklungstheorie Führung sowohl gezielter als auch umfassender voranbringen. Doch die Diskussion um vertikale Entwicklung dreht sich noch viel mehr um Modelle als um die tatsächliche Praxis der Führungsentwicklung. Das versuchen wir in der Präsentation mit unseren Kollegen vom European Center for Leadership Practice zu ändern. Wir stellen Praxiserfahrungen vor, aus Führungsentwicklung in einem internationalen Unternehmen, aus einem Führungsentwicklungsprogramm für die Vereinten Nationen, aus Executive Coaching und der Begleitung eines Management Teams bei der strategischen Entwicklung. Damit wollen wir die Theorieentwicklung weiter voranbringen, um die Praxis zu verbessern.

Eine spannende Auseinandersetzung findet in einem zweiten Workshop statt, den wir zusammen mit Jolanda de Ridder aus Holland gestalten. Wir stellen Prinzipien vertikaler Entwicklung dar und diskutieren diese vor dem Hintergrund zunehmender autoritärer Führung. In der anschließenden Diskussion wird deutlich, wie wichtig die Verbindung persönlicher Lernprozesse für die Entwicklung von Führung ist. Dies wird jedoch, so erfahren wir, in wenigen Leadership Development Ansätzen tatsächlich praktiziert. Weithin geteilt wird aber das Verständnis, dass Führung ein Aufgabe ist, die nicht nur "oben" stattfindet, sondern dass die Verantwortung weiter geteilt - werden muss.

Als sehr anregend erleben wir die Diskussion in dem Workshop, in dem wir unseren eigenen Kompass für Führungsentwicklung, die Führungsholarchie präsentieren. Die vielen Fragen spiegeln wieder, dass wir einen Nerv getroffen haben und etwas beitragen können, qualitative Führungsentwicklung zu erleichtern. Im Unterschied zu vielen anderen Ansätzen beziehen wir mit der Führungsholarchie die Entwicklung von Führung nicht nur auf die Person der Führungskraft, sondern zeigen darüber hinaus, wie Führung sich in der Beziehung zwischen Führenden und Folgenden entwickelt und auch, wie die Führungsentwicklung Grundmuster in Organisationen verändert.

Insbesondere die dialogische Qualität in der Führungsentwicklung, die gemeinsame Verortung zwischen Klient und Berater, für die unsere Arbeit steht, stößt auf reges Interesse. Wir merken jedoch auch, dass der Ansatz, die direkte Kommunikation zwischen Führenden und Folgenden ins Zentrum zu stellen, ungewöhnlich ist. Aus unserer Sicht macht aber genau das den Unterschied in der Führungsentwicklung. Wie wir Führung denken und was wir wie tun zeigt sich in jeder Kommunikation. Genau dort können wir Führung auch verändern. Direkt und heute.

Wir nehmen die konstruktiven Anregungen und kritischen Nachfragen für die weitere Arbeit an unserem Anliegen mit, transformative Lernprozesse für mehr Führungsqualität zu gestalten und für mehr Menschen erreichbar zu machen. Dazu in den kommenden Newslettern mehr!