Was ist der Unterschied zwischen Feedback und einem Sandwich?

Von: johannes, Tags: Feedback mindset

Aus Feedback kann man was machen! Doch die Sandwichmethode ist die Technik, die immer wieder in Seminaren vermittelt wird als „State of the Art- Feedbackmethode“ für Mitarbeitergespräche. Insbesondere für die Leistungsrückmeldung wird Führungskräften die Sandwichmethode vermittelt. Was ist dran am Sandwich und wird Feedback dadurch besser genießbar?

Mit der Sandwichmethode wird Kritik eingepackt in zwei Schichten Anerkennung. Ähnlich wie beim Hotdog ummantelt die Anerkennung die Kritik und soll sie so tragfähig machen. Wer einen Hot Dog mit Röstzwiebeln, Mayonnaise und Ketchup schon einmal versucht hat ohne die zwei Brötchenhälften zu essen weiß, dass die Hände danach nicht sauber sind. Daher auch die Sandwichfeedbackmethode. Aus der Erkenntnis heraus, dass allein negative Kritik demotivierend sein kann resultiert die Technik, dass man zunächst etwas Anerkennendes, Wertschätzendes sagen soll. Danach sagt man etwas Kritisches. Zum Abschluss soll man den/die Mitarbeiter*in wieder motivieren und mit etwas Positiven enden. Die Annahme ist, dass dies zu Beginn eine gute Beziehung aufbaut und für die Umsetzung motiviert - so die Theorie. Das Sandwich soll dafür sogen, dass die Kritik besser angenommen wird. Ein weiterer Grund für die Sandwichmethode ist die Erkenntnis, dass positive Rückmeldungen eine kürzere Verweildauer beim Empfänger haben als negative. An negatives Feedback kann man sich oft sehr lange erinnern - das Positive scheint eher zu verblassen. Daraus lässt sich ableiten, dass Führungskräfte für ein gutes Betriebsklima doppelt so oft loben als kritisieren sollten. Andere gehen von einem noch ungünstigeren Verhältnis für die Kritik aus. Auf jede Kritik müsste drei oder sieben Mal gelobt werden wurde errechnet.

Es ist eine Errungenschaft der Sandwichmethode, dass viele Führungskräfte in Fortbildungsseminaren lernen mussten, zusätzlich zur Kritik auch etwas Anerkennendes in Mitarbeitergesprächen zu sagen. Und jeder Schritt in Richtung einer Anerkennungskultur in Organisationen ist sicherlich hilfreich. Aus unserer Erfahrung haben wir jedoch gelernt wie schnell die Sandwichmethode von den Feedbacknehmenden enttarnt wurde, als das was sie war: Anerkennung ummantelt die Kritik, damit nachher die Finger nicht schmutzig sind. Die Mitarbeiter lernen schnell, wenn der Chef etwas Anerkennendes sagt, kommt kurz darauf das, was er eigentlich sagen will. Die Sandwichmethode birgt das Risiko, sowohl die Anerkennung als auch die Kritik zu verwässern.

Doch unsere Kritik an der Sandwichmethode geht noch weiter. Wie bei den meisten Feedbackmethoden, seien sie auch noch so konstruktiv gemeint, ist die Sandwichmethode einseitig gedacht. Es gibt einen Feedbackgeber und einen Feedbacknehmer. Der Feedbackgeber gibt etwas und der Feedbacknehmer soll etwas daraus lernen und etwas verändern. Die meisten Feedbacktechniken beschäftigen sich damit, wie diese Nachricht am wirkungsvollsten transportiert werden kann. Gleichzeitig wird die Wirkung jedoch im Wesentlichen vom Feedbacknehmer bestimmt. Der Feedbacknehmer entscheidet, ob das Feedback angenommen wird und was damit passiert. Sich in hohem Maße mit der Sendung der Nachricht zu beschäftigen ist daher nicht unbedingt effektiv. Unser Vorschlag ist stattdessen zweifaltig. Zum einen schlagen wir vor, sich mit dem Empfangen von Feedback mehr zu beschäftigen. Darüberhinaus denken wir, dass es sich lohnt, Feedback als ein beidseitiges lernendes Gespräch zu sehen, als Dialog. Nicht nur der Feedbacknehmer hat etwas zu lernen. Feedbackgeber und Feedbacknehmer können lernen. So erhalte ich einen völlig neuen Ausgangspunkt für das Gespräch. Anstatt mir zu überlegen, wie ich meine Kritik möglichst gut verpacke, überlege ich in der Vorbereitung auf das Gespräch: Was möchte ich über die andere Person lernen? Was vermute ich sind Gründe? Was weiß ich noch nicht? Was möchte ich Neues erfahren? Dieser Gedanke kann dem Gespräch eine grundlegend andere Dynamik geben. Wie sagt der Volksmund? Sauer macht lustig!

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